Osserkirta (09.08.2026)
40 Jahre Künische Kapelle feierlich begangen
Der traditionelle Osserkirta stand in diesem Jahr ganz im Zeichen eines
besonderen Jubiläums: Die 1986 von der Sektion Lam erbaute Künische Kapelle
feierte ihr 40-jähriges Jubiläum. Bei sommerlichem Wetter kamen zahlreiche
Besucher auf den Berg. Ein großer Teil der Besucher nahmen auch eine längere
Anfahrtstrecke auf sich, um gemeinsam Gottesdienst zu feiern, Rückschau zu
halten und die Bedeutung dieser kleinen Kapelle zu würdigen.
Der Festgottesdienst wurde von Pater Augustinus
zelebriert, der zugleich 2. Vorsitzender der Sektion ist. Die musikalische
Gestaltung übernahmen die Rittsteiger Sänger, die der Feier einen würdigen und
zugleich heimatverbundenen Rahmen gaben. Sektionsvorsitzender Franz Reuel
begrüßte neben den vielen Gläubigen und Wanderfreunden Mitglieder der Sektion
Lam der Nachbarsektionen Lohberg, Bad Kötzting sowie Hohenwarth auch Besucher
aus Politik und Gesellschaft.
In seiner Ansprache erinnerte Reuel an die Entstehung der
Kapelle. Was heute für viele selbstverständlich zum Bild des Ossers gehört,
begann im Jahr 1985 mit einem Beschluss der Sektion Lam unter dem damaligen
Vorstand Norbert Lemberger. Die Anregung dazu gaben der damalige Osserwirt Sigi
Kaml und Pfarrer Wilhelm Zitterbart. Mit großem Idealismus, ehrenamtlichem
Einsatz und der Unterstützung vieler Helfer konnte das Vorhaben zügig umgesetzt
werden, sodass die Kapelle bereits ein Jahr später fertiggestellt war.
Der Name „Künische Kapelle“ verweist bewusst auf die
Künischen Freibauern und damit auf ein Stück Geschichte, das diesseits und
jenseits der Grenze lebendig geblieben ist. Die Kapelle steht deshalb nicht nur
für Glauben und Andacht, sondern auch für Heimatbewusstsein, Kultur und ein
verbindendes Miteinander zwischen Bayern und Böhmen. Gerade ihre Lage zwischen
den beiden Ossergipfeln macht sie zu einem eindrucksvollen Symbol der
Grenzregion.
Errichtet wurde die Kapelle aus Steinen aus dem
Ossergebiet. Diese Verbundenheit mit dem Berg und seiner Landschaft ist bis
heute spürbar. Das ursprüngliche Holzschindeldach wurde 2019 durch ein
Kupferdach ersetzt; selbst Sturm Kyrill im Jahr 2007 überstand die Kapelle
unbeschadet. Ein besonderer Blickfang im Inneren ist die geschnitzte
Muttergottes aus Kirschbaumholz von Otto Kollross sen., die zum Jubiläum einen
würdigen Natursteinsockel erhielt.
Franz Reuel nutzte den Anlass, um allen zu danken, die
vor 40 Jahren den Mut hatten, das Werk anzupacken, und jenen, die seitdem zur
Erhaltung und Pflege der Kapelle beitragen. Ebenso dankte er denjenigen, die
heute vor Ort sind und damit zeigen, was dieser Ort den Menschen weiterhin
bedeutet.
Auch die Predigt von Pater Augustinus griff die besondere
Atmosphäre dieses Ortes auf. Unter der Leitfrage „Was willst du hier?“ schlug
er den Bogen von der Lesung des Propheten Elija zur Erfahrung der Menschen, die
auf den Osser kommen: zum Innehalten, zum Durchatmen, zum Beten oder auch
einfach, um Abstand vom Alltag zu gewinnen. Die Künische Kapelle, so wurde
deutlich, ist ein Ort der Zuflucht und der Stille, aber auch ein Ort der
Ermutigung. Gerade in einer Zeit, in der Gesellschaft und Kirche Gegenwind
spüren, erinnerte Pater Augustinus daran, dass Gott sich oft nicht im Lauten
und Spektakulären, sondern im leisen Säuseln zeigt.
Die Fürbitten wurden von Tilla Sitzberger vorgetragen,
mit besonderem Anliegen für den Frieden in der Welt sowie für das Miteinander
über alle Grenzen hinweg – für Menschen im Lamer Winkel, die gerade durch einen
persönlichen Sturm gehen, – und zudem für die Verstorbenen, insbesondere für
die Erbauer der Kapelle.
Nach dem Lied „Großer Gott, wir loben dich“, das von den
Kirchenbesuchern gemeinsam gesungen wurde, schloss der Rittsteiger Dreigesang
mit dem Lied „Ich möchte wieder zurück in meine Heimat“. Damit ging der
festliche Teil in den geselligen über.
Getreu dem Motto „Erst die Mess, dann
die Mass“ führte der Weg ins Osserschutzhaus. Bei Musik, Speis und Trank klang
der Festtag bis in den Nachmittag hinein in geselliger Runde aus. Für alle
Kirchenbesucher gab es noch ein Erinnerungsgeschenk in Form einer Holzplakette
mit dem Motiv der Künischen Kapelle.